Bierverliebte Spinner

So denkt ein oberösterreichischer Auftraggeber über die BrauKon

Man kann Ewald Pöschko getrost als Ober-Communarden bezeichnen. Dieser Ehrentitel hat nichts mit seiner politischen Einstellung zu tun. Pöschko leitet ein Unternehmen, das in vielerlei Hinsicht „einmalig“ ist. Auch in Bezug auf seine Wirtschaftsform. Die Braucommune in Freistadt ist, europaweit, die einzige Firma, deren Rechtsform eine eingetragene Commune ist. Wenn auch mit zeitgemäßer Struktur. Pöschko: „Wir haben auch die Commune den Anforderungen unserer Zeit angepasst.“ Doch heute interessieren uns vor allem die Neuerungen in der Brauerei.

September 2011, Anstich des Junghopfenpils. Im Namen aller Mitglieder des Vereines Bierviertel (neben Freistadt sind das die Stiftsbrauerei Schlägl, die Privatbrauerei Hofstetten und der erste Weltmeister der Biersommeliers Karl Schiffner) wird in Freistadt ein seltenes Bier eingebraut. Man verwendet dafür pflückfrische Hopfendolden.

Kurz vor dem Eintreffen der Festgäste nimmt mich Rudi Scharitzer, seines Zeichens Obmann der Commune, auf die Seite: „Ich muss dir etwas zeigen!“ Wir gehen über den Hof und durch die Großbaustelle, bis wir in einem hohen, von Säulen getragenen Raum eintreffen. Scharitzer dämpft seine Stimme, obwohl im Raum gehämmert wird. Der Raum selbst macht ihn andächtig. „Na, ist das ein Sudhaus?“. „Für mich ist das eher eine Kathedrale“ antworte ich. Scharitzer lächelt. Ich habe ihn verstanden.

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Die passen einfach gut zu uns.

Keine Brauerei trifft die Entscheidung „Wen lasse ich mein Sudhaus bauen“ so nebenher. Aber die Festlegung, wer in einem so geschichtsträchtigen Gebäude, in einem derart ehrfurchtsgebietenden Raum das Allerheiligste installieren darf, hat fast die spirituelle Dimension einer Papstwahl. Dennoch hat es nicht allzu lange gedauert, bis weißer Rauch dem Freistädter Schlot entstieg.

Man hat es dem Geschäftsführer Pöschko leicht gemacht, welchen Vorschlag er dem obersten Rat seiner Commune unterbreitet: „Die BrauKon Leute sind professionell. Sie arbeiten sauber, keine Frage. Aber was mich überzeugt hat – sie sind Bierbrauer mit Leib, Seele und Herz. Die passen einfach gut zu uns.“

Pöschko erinnert sich an seinen ersten Besuch in Truchtlaching: „Das sieht man schon, wenn man bei der Camba Bavaria hereinkommt. Die produzieren dort Biere- komplett crazy!“ Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, die Camba Bavaria hätte ihn geliefert: „Die beschäftigen sich ganz intensiv mit dem Produkt, nicht nur mit der Produktion.“ Diese Argumente könnte man, wenigstens teilweise, noch unter „rational“ subsummieren. Wenn es rein emotional wird, ist alles klar: „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, das sind Kollegen – keine Lieferanten.“

Es wird Zeit, dass die Menschen dem Bier jenen Wert zumessen, der ihm zusteht. Die Negativspirale der vergangenen Jahre – immer weniger Ausstoß zu immer schlechteren Preisen – muss durch eine Aufwärtsspirale ersetzt werden. Dafür braucht es erstklassige Bierqualität (die man nur in einer bestens ausgestatteten Brauerei herstellen kann), gute Kommunikation, zum Beispiel durch Biererlebniswelten (wie jene, die gerade in Freistadt entsteht) und Menschen, die Bier leben. Sowohl im Management der Braucommune als auch bei BrauKon wimmelt es vor lauter Biersommeliers. Die sprechen eine Sprache, die nicht aus dem Technischen, sondern aus dem Genussbereich kommt. Es ist kein Zufall, dass sowohl Pöschko, als auch BrauKon-Chef Lohner Biersommeliers sind.

Dort lebt das Bier.

„Mit diesen Leuten trinkt man auch Bier“ sagt Pöschko, den es seinerzeit befremdet hatte, dass in den Besprechungsräumlichkeiten der BrauKon Mitbewerber nur Softdrinks verfügbar waren. In der gleich neben dem Gebäude der BrauKon angesiedelten Camba Bavaria hat es natürlich Bier gegeben. In Hülle und Fülle und vor allem in einer unglaublichen Vielfalt. „Das hat mir gleich ein gutes Gefühl gegeben“ lacht Pöschko, „Dort lebt das Bier. Genau darum geht es auch uns. Die Leute von BrauKon sind einfach die richtigen Partner für uns“.